"Schläft er schon durch?"

Der kindliche Schlaf

Kein Thema beschäftigt Eltern so sehr, wie die Fragen, die rund um die nächtliche Ruhe, Familienbetten, Schlafmangel und Einschlafbegleitung entstehen. Nicht immer sind diese Fragen willkommen und häufig haben wir als Eltern das Gefühl, es "falsch" zu machen. Viel zu oft bekommen wir ungefragt Ratschläge und Kommentare. "Lass ihn doch mal weinen. Er will dich nur testen" oder "Du gewöhnst ihr an, an der Brust einzuschlafen". Was häufig gut gemeint ist, ist leider wenig hilfreich und oft einfach nervig. Doch warum ist der kindliche Schlaf so ein großes Thema?

Wir sind doch auch müde

Die Art und Weise wie wir Erwachsenen nachts schlafen, nimmt maßgeblichen Einfluss auf unseren Geisteszustand und darauf, wie belastbar wir sind, wie wir mit Stress umgehen können und auf unsere Gesundheit. Schläft unser Kind schlecht, dann tun wir Eltern es in der Regel auch. Wir sitzen abends stundenlang am Bett, lesen vor, flüstern und streicheln bis das Kind schläft. Wir stehen nachts auf um zu füttern, zu wickeln, zu trösten und Kuscheltiere zu suchen. Die eigenen Schlafphasen werden dabei ständig unterbrochen und es fühlt sich an, als würden wir selber nie eine erholsame Tiefschlafphase erreichen. Selbst wenn wir mal schlafen, dann bleiben wir mit einem Ohr bei den Kindern. Teilen wir mit unseren Kindern ein Bett, dann werden wir auch von den Bewegungen des Kindes geweckt und erleben jede Nach, wie unruhig unsere Kinder schlafen. Doch warum ist das so? Warum schlafen unsere Kinder manchmal „so schlecht“? 

„Schlechter Schlaf“ ist Definitionssache

Um den kindlichen Schlaf erziehungspsychologisch zu verstehen, sind verschiedene Aspekte besonders wichtig. Dazu gehört zum einen das Bindungssystem. Vor allem in bedrohlichen Situationen, die potentiell angsteinflößend sein können, wird dieses aktiviert und sorgt dafür, dass das Kind Schutz und Nähe bei einer vertrauensvollen Bezugsperson sucht. Evolutionsbedingt ist es völlig normal, dass Kinder nah bei ihren Eltern schlafen. In der Steinzeit war es für ein Baby überlebensnotwendig, stets so eng es ging bei der Mutter zu bleiben, um immer gut versorgt zu sein und Feinden nicht zum Opfer zu fallen.

Und genau dieses Gefühl von Sicherheit und Nähe ist es, was unsere Kinder noch heute brauchen. Es ist in ihrem Jahrtausende alten Gencode verankert. Die nächtliche Dunkelheit, das Alleinsein und die Ungewissheit („ist Mama/Papa noch da?“) spielen hierbei folglich eine große Rolle und sorgen dafür, dass das Kind nach Nähe sucht. Dagegen vermitteln der vertraute elterliche Geruch, die Körperwärme und die entspannten Atemgeräusche der Eltern Sicherheit. Dieses Verhalten ist also nicht gleich „schlechter Schlaf“, sondern ganz natürlich.

Hinzu kommt, dass Kinder, ebenso wie Erwachsene, im Regelfall nicht durchschlafen, sondern dass es unterschiedlich tiefe Schlafphasen gibt, die teilweise sogar ganz unterbrochen werden. Wir Erwachsenen haben gelernt wieder einzuschlafen und uns selber zu beruhigen – Kindern dagegen fehlt diese Fähigkeit zur Selbstregulation noch. Unsere Kinder sind darauf angewiesen, dass wir ihnen helfen sich zu beruhigen, sie brauchen unseren Rückhalt auch nachts.

Starre Muster dürfen durchbrochen werden

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schlafmenge und die konkreten Zubettgeh-Zeiten. Jedes Kind ist unterschiedlich, und nur, weil wir Erwachsenen meinen, 20 Uhr sei eine gute Uhrzeit um das Kind ins Bett zu bringen, muss dies nicht unbedingt optimal für unser Kind sein. Ebenso verhält es sich mit dem zeitlichen Umfang der Schlafepisoden. Natürlich wäre es schön, wenn das Kind nachts 10 Stunden schläft – aber vielleicht passt das einfach nicht zur aktuellen Entwicklungsphase des Kindes und es benötigt stattdessen einen längeren Mittagschlaf.

Oft halten wir Erwachsenen an Strukturen und Ritualen fest, die wir sinnvoll finden, weil wir es selber so erlebt haben, oder weil wir eine (gesellschaftliche) Verpflichtung verspüren, bestimmte Dinge auf eine bestimmte Weise zu machen. Nichts sollte uns jedoch davon abhalten Strukturen zu verändern, anzupassen und neue Rituale entstehen zu lassen, die zu unserem Familienleben vielleicht besser passen, als wir vorher gedacht hätten.

Was spricht dagegen, abends noch einen Spaziergang im Dunkeln zu machen, um für die nötige Bettschwere zu sorgen? Oder das Kind in den Schlaf zu stillen? Oder die Kinder so lange im Familienbett schlafen zu lassen, bis sie freiwillig dort ausziehen? Manche Kinder können zudem sehr gut einschlafen, wenn sie selber flexibel über die Uhrzeit entscheiden dürfen. Wichtig ist auch an dieser Stelle: Kompromisse und Lösungen finden mit denen alle Familienmitglieder sich gut fühlen und die für alle die größtmögliche Entlastung bringen. So kommen wir selbst auch an genügend Schlaf, um Kraftreserven wieder aufzutanken.

Einschlafbegleitung? Familienbett? Alles erlaubt!

Und zu guter Letzt dürfen wir Eltern uns auch in dieser Situation denken: Es ist eine besondere Zeit, die irgendwann vorbeigehen wird. Kein Kind wird bis zur Pubertät eine Einschlafbegleitung einfordern. Irgendwann ist diese Zeit mit all ihren Vor- und Nachteilen vorbei. Wichtig ist, dass man dann zurück blicken kann und zufrieden auf seinen eigenen Weg schauen kann. Denn wie es für ein Familie am Besten ist, weiß nur die Familie selbst. Und bis dahin heißt es: für das Kind da sein, es annehmen und ab und zu vor der Tagesschau selbst ins Bett gehen.

Sie sind auf der Suche nach dem für Sie passenden Weg, mit den großen und kleinen Herausforderungen des Familienalltags umzugehen? Wir begleiten Sie dabei gerne und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Lösungen finden. Schreiben Sie uns gerne eine unverbindliche Anfrage.

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