Geburtstrauma

Eine Geburt ist schließlich kein Spaziergang

Der Tag an dem das eigene Kind geboren wird, wird rückblickend von vielen Eltern als schönster, bedeutendster und aufregendster Tag im Leben erwähnt. Keine Frage, die Geburt eines Kindes ist sicherlich in jedem Fall ein ganz besonderes Erlebnis. Doch nicht jede Geburt verläuft nach Plan und sicherlich gibt es auch Geburten die man rückblickend nicht unbedingt als „schön“ bezeichnen würde. Hinterfragt man die Einschätzung der jungen Eltern genauer, dann wird man wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass das „Schöne“ an der Geburt eher selten der (schmerzhafte) Geburtsvorgang an sich war, sondern viel mehr der Moment in dem das Baby endlich da war, der erste Blick, der erste Schrei, der erste Körperkontakt.

Beschäftigen wir uns in der Schwangerschaft mit der anstehenden Geburt, dann malen wir uns gerne aus, wie wir das Kind zur Welt bringen wollen und haben oft sogar sehr genaue Vorstellungen davon, mit welchen Rahmenbedingungen wir uns dabei wohlfühlen werden. Eins haben jedoch vermutlich alle Eltern gemeinsam: Über mögliche Komplikationen oder Notfall-Entscheidungen machen wir uns im Voraus nur ungern Gedanken und klammern diese gerne aus. Man hofft auf eine schöne Geburt oder denkt zumindest: „das wird schon gutgehen“.

Kontrollverlust führt oft dazu, dass wir uns ausgeliefert fühlen

So kommt es vor, dass nicht wenige Frauen sich unter der Geburt überrumpelt fühlen vom geänderten Ablauf, von stressigen Situationen oder von medizinisch notwendigen Planänderungen. Trotz aller Vorbereitung und dem Wissen darüber, dass eine Geburt eben kein Spaziergang ist, fühlen viele Betroffene (Mütter und Väter) sich dann hilflos und ausgeliefert. Solche Situationen, in denen wir selber die Kontrolle komplett abgeben und wohlmöglich Angst um unser eigenes Leben, oder um das des Kindes haben müssen, können Ursache sein für ein Geburtstrauma. Auch traumatisierende Vorerfahrungen, die während der Geburt getriggert werden, oder unbedachte Worte und Handlungen der Geburtshelfer können Auslöser für ein solches Geburtstrauma sein. Hinzu kommt, dass die Betroffenen im Anschluss an die Geburt nur selten die Chance haben das Erlebte in Ruhe zu verarbeiten – sie müssen sich ja von nun an rund um die Uhr um das Baby kümmern. Sich eine traumatische und belastende Geburt einzugestehen ist zudem schwierig, da viele Mütter den gesellschaftlichen Konsens erleben, dass eine Geburt nun mal kein Vergnügen ist und wehtut – das haben alle anderen Mütter ja auch geschafft! 

Manchmal brauchen wir Hilfe, um Mentale Gesundheit zu erlangen

Die Symptome eines solchen Geburtstraumas (das übrigens auch Männer treffen kann) können ganz unterschiedlich sein und umfassen sowohl körperliche Reaktionen (wie Zittern, Magenschmerzen, Schwitzen oder Erschöpfung) wie auch psychische/emotionale Reaktionen (Gereiztheit, Rückzug, emotionale Taubheit) und kann nicht zuletzt auch Ursache sein für eine Wochenbettdepression. Der Weg hier raus ist oft schwierig und anstrengend – deshalb ist Aufklärung und Enttabuisierung besonders wichtig, um den Betroffenen den ersten Schritt auf der Suche nach Hilfe zu erleichtern. 

In der Beziehungswerkstatt bieten wir einen geschützten und wertschätzenden Raum für die Reflexion der eigenen Geburtserfahrung. Sprechen Sie uns gerne an.

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